

Fluch der Venus – Wiener Abgründe (Leopold Kern 1) Fluch der Venus – Wiener Abgründe (Leopold Kern 1) - eBook-Ausgabe
Historischer Kriminalroman
— Nominiert für den Leo-Perutz-Preis 2023 und ausgezeichnet mit dem Harzer Hammer 2023Fluch der Venus – Wiener Abgründe (Leopold Kern 1) — Inhalt
Ein historischer Kriminalroman für alle LeserInnen, die es düster mögen. Nominiert für den Leo-Perutz-Preis 2023 und ausgezeichnet mit dem Harzer Hammer 2023
„Sie kennen das Geschäft, Sie wissen, wie der Apparat funktioniert und Sie haben Routine. Der perfekte Ermittler. Von ihren Kontakten im Milieu ganz zu schweigen. Ihr Wissen ist unbezahlbar. Eigentlich müsste ich dem bladen Ferdl sogar dankbar sein.“
Wien, 1880: Die Stadt verändert sich in rasendem Tempo, Mietenwucher und Arbeiterelend greifen um sich. Die Prostitution blüht und entzieht sich jeglicher behördlichen Kontrolle, Syphilis und Tuberkulose wüten unter Arm und Reich.
Der Mord an der Nobelprostituierten Fanni Matzner zwingt den Wiener Polizeipräsidenten Marx zum Einsatz eines geheimen Sonderermittlers. Leopold Kern, ein einstiger Polizeiagent mit hervorragenden Halbweltkontakten, gerät in ein Netzwerk von Intrigen und weiß bald nicht mehr zwischen Freund und Feind zu unterscheiden ...
In Ihrem Roman kommt ja Wien nicht besonders gut weg. Wo bleibt die Romantik der Ringstraßenzeit, die Kaiserin Sissi, der gütige Kaiser, die Heurigenseligkeit?
Natürlich ist Wien für mich die schönste Stadt des Universums . Es ist meine Heimatstadt, die ich liebe. Ich habe allerdings ein Problem mit der Geschichtsverkitschung. Meine Generation war in der Kindheit einem gnadenlosen Bombardement aus Sissi- und Hans Moser Filmen ausgesetzt. Man konnte damals den Eindruck haben, Österreich sei ein Land etwas zurückgebliebener aber liebenswerter Schnapsdrosseln und depressiv-sentimentaler Adeliger. Diese Art biedermeierlicher Nabelschau mag aus dem Zeitgeist der Nachkriegszeit heraus verständlich sein, hat aber mit der Realität nichts zu tun. Österreich-Ungarn war ein imperialistischer Militärstaat. Und Kaiser Franz Josef war ein konservativer Kaiser, der die Wünsche seiner Untertanen nach mehr Freiheit mit aller Macht unterdrückte und sie zu tausenden auf dem Schlachtfeld opferte. Wien war zwar ein kulturellerer Mittelpunkt, aber Ende des 19. Jahrhunderts auch eine Großstadt wie jede andere. Paris, London, Berlin hatten die gleichen Probleme: Arbeiterelend, Wohnungsnot, rücksichtslose Ausbeutung, Prostitution, Seuchen. Aber das hat den Herrscher eher wenig interessiert, und seine Gemahlin schon gar nicht.
Warum haben Sie das Jahr 1880 gewählt?
Ich finde, es ist eine extrem spannende Zeit. Franz Josef befindet sich auf dem Höhepunkt seiner Macht. 1878 hat er Bosnien-Herzegowina besetzt, was für ihn ein großer Erfolg war. Das koloniale Interesse der Habsburger galt dem Balkan und der Zerfall des Osmanischen Reiches bot die ideale Voraussetzung für eine Gebietserweiterung. Nach dem Börsenkrach von 1872 begann sich die Wirtschaft langsam zu erholen, die Industrialisierung und damit die Ausbeutung der Arbeiter befanden sich auf dem Höhepunkt, die Prostitution blühte, Geschlechtskrankheit wüteten, die Sozialdemokraten formierten sich. Der Erfolg am Balkan gab dem von schweren Niederlagen geschwächten Militär neuen Auftrieb.
Hätten Sie gerne in dieser Zeit gelebt?
Die Zeit in der man gerade lebt ist immer die beste. 1880 war auch für den wohlhabenden Anteil der Bevölkerung von Schicksalsschlägen geprägt, die wir uns heutzutage nicht annähernd vorstellen können. Die moderne Medizin war erst in ihren Anfängen, es gab außer Morphium kaum wirksame Medikamente. Die Sterblichkeit beim Bruch des Oberschenkelschafts betrug selbst bei Billroth 70 Prozent. Krankheiten konnten auch eine reiche Familie innerhalb weniger Monate in den Untergang treiben, wenn der Mann, der Hauptverdiener, plötzlich verstarb. Noch viel schlimmer war das natürlich für die einfachen Menschen.
Aber es gab doch auch schöne Aspekte, die Pracht des Kaiserhofs, die Kultur, die Musik von Johann Strauss.
Für diejenigen, die es sich leisten konnten! Für den einfachen Arbeiter war selbst das Kaffeehaus unerschwinglich. Nach einem vierzehnstündigen Arbeitstag in der Fabrik ging man auf ein schnelles Schnapserl in die Branntweinschänke, am Wochenende machte man einen Ausflug zum Heurigen oder nach Dornbach im heutigen Hernals. Was die Wiener von den anderen Stadtbewohnern Europas immer schon unterschieden hat, ist ihre Lebenslust. Die „Verkauft’s mein G’wand, i foar in Himmel“-Mentalität war damals wie heute mit Sicherheit extrem hilfreich.
Der Ermittler Leopold Kern hat für die Pracht des Ringstraßenausbaus wenig übrig…
Eine 25 Jahre währende Riesenbaustelle im Herzen der Stadt hat wohl niemandem Freude bereitet. Denken Sie nur an die Verkehrsbehinderungen, den Lärm, und den Staub. Das wird ebenso ausgeblendet wie der Wandel von der Biedermeier- zur Gründerzeitstadt. Tausende Häuser wurden abgerissen und die Mieter gingen mit Sicherheit nicht freiwillig aus ihren Wohnungen. Dazu kam der massenhafte Zuzug aus den Kronländern. Kern hat den Ausbau der Ringstraße seit seiner Jugend miterlebt und schon beim Abbruch der Stadtmauern gearbeitet. Er hat die Welt der Arbeiter ebenso hautnah miterlebt, wie die Halbwelt und die Prostitution. Er kennt die dunkle Seite der Gründerzeit.
Ist er ein Klassenkämpfer?
Keineswegs. Auch wenn er die Schattenseiten seiner Zeit durchaus erkennt, würde er niemals die bestehende Ordnung infrage stellen. Als Kind seiner Zeit liebt er den Kaiser, der seit seiner Kindheit regiert und hat größten Respekt vor dem Adel. Kern ist eigentlich ein unpolitischer Mensch, der die Zustände der Profitgier großer Unternehmer zuschreibt, was aus seinem persönlichen Schicksal erklärbar ist. Aber er hat Herz und versucht zu helfen, wo er kann.
Als Polizist werden ihm aber auch seine Grenzen aufgezeigt…
Das Militär war damals closed shop. Die mochten es gar nicht, wenn Zivilisten in ihren Angelegenheiten herumwühlten. Und der Adel hat natürlich rücksichtslos seine Verbindungen genutzt. Kern kommt nur schwach dagegen an, obwohl er sich der Ungerechtigkeit bewusst ist.
Trotzdem überschreitet er Grenzen…
Aber nicht aus ideologischen Gründen. Seine Regelverstöße wurzeln in seiner Persönlichkeit. Er ist einfach auch ein impulsiver Mensch mit einem Hang zur Selbstzerstörung.
Die gewaltigen technologischen Umwälzungen seiner Zeit...
machen ihm Angst. Der Einzug der Elektrizität in den Alltag ist ihm ebenso unheimlich wie z. B. Aufzüge. Die Technik ist für ihn nur der Vorbote noch stärkerer industrieller Ausbeutung und damit Verelendung.
Er sieht seine Zeit eben sehr kritisch.
Sagen wir so: lässt sich nicht vom Schein prunkvoller Fassaden täuschen.
Im Gegensatz zu vielen anderen Ermittlern ist er kein Hobbykoch.
Kern isst gern und einfach. Ein Schmalzbrot mit Zwiebelringen und Zitronentee ist für ihn eine Köstlichkeit. Natürlich geht er auch gern einmal ins Wirtshaus, wo er die Wiener Küche genießt. Aber bedenken Sie, dass allein die Miete seiner Garconniere ein Drittel seines Gehalts verschlingt. Seine Küche ist winzig, der Herd reicht gerade aus, Kaffee zu kochen oder etwas aufzuwärmen. Dass seine Nachbarin Frau Siebenfreud darauf ein Essen für ihre sechsköpfige Familie zaubert, grenzt an ein Wunder. Kühlschränke gibt es nicht
Wie ist Ihr Verhältnis zur Wiener Küche?
Das fragen Sie?. Ich liebe Wiener Schnitzel, Fritattensuppe oder Tafelspitz. Mit zunehmendem Alter erliege ich auch zunehmend den Verlockungen der Mehlspeisküche,
Wird es einen weiteren Roman mit Leopold Kern geben?
Ich gehe davon aus. Kern hat noch eine Menge zu tun. Aber das müssen letztlich die Leser entscheiden.
Sehr spannender Plot. Athmosphärisch dichte Erzählung im Wien des ausgehenden 19. Jahrhundert. Lesen!
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