

Mord auf der Herreninsel Mord auf der Herreninsel - eBook-Ausgabe
Kriminalroman
— Ermittlerkrimi in den VoralpenMord auf der Herreninsel — Inhalt
Mord vor dem Märchenschloss. Für Leser:innen von Klüpfl / Kobr und Andreas Föhr
Vor der malerischen Szene des bayerischen Meeres wird ein Toter aufgefunden ‒ ein Gärtner des Schlosses Herrenchiemsee, einem beliebten Ausflugsort für Touristen. Der Mörder hinterlässt neben der Leiche noch eine blutige Nachricht: Ein Zitat des sagenumwobenen Märchenkönigs. Kurze Zeit später folgen zwei weitere Leichen. Die Verbindung der Morde zu Ludwig II. stellt die Ermittler rund um Kaya Benaty vor ein mysteriöses Rätsel. Als die junge Kommissarin selbst in den Fokus der Ermittlungen gerät, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Wann wird der Serienmörder wieder zuschlagen?
Leseprobe zu „Mord auf der Herreninsel“
12. Juni 2023 –
06:53 Uhr
Rauschend schwappte das Wasser über den Steg. Die Dielen des Touristenbootes knarzten, als die „Waltraud“ zum Stillstand kam. Silke Ruland verließ das Passagierschiff als Erstes. Auf ihrem Klemmbrett notierte sie sich die Anzahl ihrer ersten Gruppe an diesem nebligen Morgen, an dem der Dunst wie Watte über ihren Köpfen hing. Sie zählte sorgfältig nach, machte für jeden, der das Schiff verließ, einen Strich auf ihrer Liste. Trotz der frühen Stunde war die Meute aufgeweckt. Die Mehrheit bildeten Senioren, die das Kloster und die [...]
12. Juni 2023 –
06:53 Uhr
Rauschend schwappte das Wasser über den Steg. Die Dielen des Touristenbootes knarzten, als die „Waltraud“ zum Stillstand kam. Silke Ruland verließ das Passagierschiff als Erstes. Auf ihrem Klemmbrett notierte sie sich die Anzahl ihrer ersten Gruppe an diesem nebligen Morgen, an dem der Dunst wie Watte über ihren Köpfen hing. Sie zählte sorgfältig nach, machte für jeden, der das Schiff verließ, einen Strich auf ihrer Liste. Trotz der frühen Stunde war die Meute aufgeweckt. Die Mehrheit bildeten Senioren, die das Kloster und die Schlossgärten besichtigen wollten, bevor der große Ansturm losging und es am Nachmittag zu warm wurde. Die meisten von ihnen trugen wetterfeste Kleidung, Sonnenhüte und hatten Wanderstöcke bei sich. Aber auch ein junges Pärchen mit prall gefüllten Rucksäcken machte die Touristenführerin unter ihnen aus. Silke gähnte herzhaft. Die ganze Nacht hatte sie wach gelegen und über den Streit mit ihrem Ex am Abend zuvor nachgedacht. Zum wiederholten Male hatte er ohne triftigen Grund eines von Saras Papa-Wochenenden abgesagt. Inzwischen war Silke darüber enttäuschter als die Siebenjährige. Dennoch versprach sie sich, das Beste aus dem neuen Tag zu machen. Laut Wetterbericht sollte es ein wunderschöner Tag am Chiemsee werden.
Sie führte die Gruppe weg von der Anlegestelle und schlug den Weg Richtung Kloster ein, das nur wenige Gehminuten entfernt lag.
„Im Jahr 629 hat es hier bereits ein Kloster gegeben, das vermutlich auf den irischen Mönch Eustasius zurückging. Ende des 8. Jahrhunderts gründete dann Herzog Tassilo III. von Bayern eine Benediktinerabtei. Das Augustiner-Chorherrenstift war seit 1261 auf der Herreninsel ansässig. Allerdings geht die Klosteranlage, wie sie heute vorzufinden ist, auf das 17. und 18. Jahrhundert zurück. Den meisten Besuchern imponiert die Bauweise des heutigen Chorherrenstiftes, das aus vier Flügeln besteht. Sie umschließen einen großen Innenhof mit einem idyllischen Rosengarten umschließen, der im Sommer wunderbar herrlich blüht“, berichtete Silke der interessierten Gruppe unterwegs. Eine rüstige Rentnerin mit kleinen Augen nickte bei jedem ihrer Worte, was Silke ein schwaches Schmunzeln entlockte. Die Touristenführerin ließ ihren Blick schweifen. Sie erreichten die Stelle, an der zu späterer Stunde die Kutschen warteten, um die Inselbesucher über das Schlossgelände zu bringen.
Silkes Augenmerk blieb am narbigen Stamm eines Baumes am Ufer hängen, seine Äste tauchten wie knochige Finger ins Wasser hinein. Unter dem Astwerk machte sie etwas Helles aus, das ihr noch nie zuvor aufgefallen war. Als routinierte Touristenführerin besuchte sie das Schloss Herrenchiemsee und die dazugehörige Insel mehrmals täglich, daher besaß sie ein geschultes Auge für Auffälligkeiten oder Dinge, die nicht dort hingehörten. Das machte sie stutzig. Sie gab der neunköpfigen Gruppe zu verstehen, dass sie sofort zurückkommen würde und näherte sich dem hellen Gegenstand mit wachsender Neugier. Ein Libellenpaar glitt brummend über das Schilf, als sie erkannte, dass sie sich getäuscht hatte. Es handelte sich nicht um einen Gegenstand. Unter den Ästen ragte ein menschlicher Unterarm hervor. Silkes Puls beschleunigte sich. Abwechselnd wurde ihr heiß und kalt. Ein Schauer schrecklichen Entsetzens flutete ihren Körper. Eigentlich wollte sie überhaupt nicht mehr wissen, wer oder was da unter diesem Baum lag. Doch andererseits könnte es sich um eine jemanden handeln, der verletzt, durchgefroren oder bewusstlos war und dringend Hilfe benötigte.
Schwer schluckend, näherte sich Silke vorsichtig dem reglosen Körper; in der nächsten Sekunde stieß sie einen schrillen Schrei aus.
Sie kannte die Person, die dort leblos und mit weit aufgerissenen Augen im Schmutz lag. Der markerschütternde Ton hallte über den See, scheuchte Wasserläufer und Vögel auf. Der Anblick des Toten ließ Silke das Blut in den Adern gefrieren.
Mit den Armen rudernd, kämpfte sie gegen die aufkommende Panik.
Es war der Moment, in dem all ihre Probleme nebensächlich wurden. Vergessen war der Streit mit ihrem Ex und die darauffolgende schlaflose Nacht. Unbedeutend die Gruppe von Menschen hinter ihr. Auf Herrenchiemsee war jemand ermordet worden. Und sie hatte die Leiche gefunden.
12. Juni 2023 –
08:50 Uhr
Kaya ließ ihren Blick über den nebelverhangenen Chiemsee schweifen und gähnte herzhaft. Fröstelnd schlang die Kommissarin ihre Arme um den Oberkörper. Obwohl es bereits Juni war, griff am frühen Morgen noch eine unangenehme Kühle um sich. Kaya liebte die unendliche Weite des „Bayerischen Meeres“. Glänzend reflektierte das tiefblaue Wasser die ersten Sonnenstrahlen. Ein angenehmer Windhauch kitzelte ihre Wangen. Schon als Kind fühlte sie sich vom Wasser angezogen wie eine Motte vom Licht. Es könnte so ein schöner Moment sein, dachte sie. Doch dann vernahm sie das Wimmern der in sich zusammengesackten Frau auf einer Sitzbank des Panoramaplateaus. Hinter ihr ragte das alte Kloster in die Höhe. Kaya war bereits vor Dienstbeginn aus dem Bett geholt und an den Ort des Geschehens gerufen worden. Ausgerechnet der Chiemsee, war ihr erster Gedanke gewesen. Dass sie dort eine völlig aufgelöste Silke vorfinden würde, damit hätte sie nicht gerechnet.
Seit ihrer gemeinsamen Schulzeit hatte sich die zierliche Frau kaum verändert. Bis auf die neugewonnenen Lachfalten, den Pony und die Brille verfügte sie immer noch über die gleiche zurückhaltende Körperhaltung und das sanfte Wesen, das Kaya früher so sehr geschätzt hatte. Verblüfft hatte sie festgestellt, dass aus der ehemaligen grauen Maus eine beflissene Touristenführerin geworden war. Die feuerroten Haare fielen glatt auf ihre Schultern. Auf der Brust ihres weißen Hemds prangte das Emblem des Touristenverbandes. Die Urlauber standen mit ratlosen Mienen um die schluchzende Frau herum, klammerten sich hilflos an ihre bunten Rucksäcke.
Kaya sah zu den Rettungssanitätern hinüber, die den Blick auf den Leichnam verdeckten. Trotz ihrer gedämpften Stimmen zeichneten sie ein ernüchterndes Bild. Ihre kreidebleichen Gesichter sprachen Bände. Eine männliche Leiche, soviel stand bereits fest. Kaya schluckte schwer. Ihr erster Mordfall. Und dann auch noch ausgerechnet an diesem Ort. Alles in ihr sträubte sich dagegen, doch die junge Kommissarin wusste, dass sie sich den Toten ansehen musste. Die erste Touristengruppe, die an diesem nebelverhangenen Morgen nach Herrenchiemsee gekommen war, hatte den Mann in der Nähe der Anlegestelle entdeckt. Dort lag er halb verborgen unter einer alten Erle. Kaya erspähte einen Kollegen im Overall, der, mit einer Kamera bewaffnet, um den Fundort streifte.
„Da bist du ja endlich, Benaty!“
Von anderer Seite näherte sich ihr ein leicht untersetzter Mann mit hochrotem Kopf. Sein Schnauzer erzitterte bei jedem Schritt. Christoph Steinert trat schwer atmend neben seine junge Kollegin. Er machte einen übernächtigten Eindruck, was sicherlich auch an der frühen Stunde lag. Wie Kaya selbst war auch Steinert knapp über eine Stunde aus München angereist.
„Kommen wir gleich zur Sache, bevor die Chefin hier auftaucht. Ansonsten können wir uns schon einmal warm anziehen“, schlug Steinert vor. Seine dunklen Augen unter den niedrigen Augenbrauen musterten sie abschätzig, während er sich mit den Fingern an der Knollennase kratzte. Er nahm einen großen Schluck aus einer schwarz glänzenden Thermoskanne und näherte sich den Kollegen in den Overalls. Der Duft von warmen Kaffee drang an Kayas Nase und erweckte ihre Lebensgeister. In kürzester Zeit streifte sie sich ebenfalls einen weißen Schutzanzug über und zog Latexhandschuhe an, ehe sie Steinert in seinen hineinhelfen wollte. „Lass das! Ich schaffe das schon …“, maulte der ältere Kollege sie an, während er seinen kugelartigen Bauch in den dünnen Stoff zwängte. Kaya wich achselzuckend zurück und widmete sich dem Leichenfundort.
Die Spurentechniker begrüßten sie mit einem angedeuteten Nicken, während sie schweigsam mit ihrer Arbeit fortfuhren. Als die Kommissarin neben den Leichnam trat, lief ihr ein eiskalter Schauer über den Rücken. Der leere Blick des Mannes richtete sich gen Himmel, die Gesichtszüge waren grau und starr. Seine blutleeren Lippen waren zu einem stillen Schrei verzerrt. Ansonsten war der bullige Körper des Opfers komplett unbedeckt. An der Innenseite seiner Oberarme entdeckte sie grün-bläuliche Blessuren. Um die große Kopfwunde herum hatte sich ein dunkler Fleck gebildet. Blut, das allmählich im Gras versickerte. Ein Mord? Hier am Chiemsee? Kaya konnte es nicht fassen. Allerdings wusste sie, dass sich der Anblick ihrer ersten Leiche unwiderruflich und auf ewig in ihre Erinnerung einbrennen würde. Steinert schob sich räuspernd an ihr vorbei. „Bestimmt ein Verbrechen unter Schwulen!“ Der Kommissar zwinkerte den Kollegen von der Spurensicherung vielsagend zu.
„Woher willst du das denn wissen? Selbst wenn das Opfer homosexuell gewesen sein sollte, wofür es keine Indizien gibt, dann wäre ein homophob motiviertes Hassverbrechen weitaus wahrscheinlicher als eine Beziehungstat“, gab Kaya schnippisch zurück.
Steinert verzog eine säuerliche Miene. „Ihr von der Organisierten Kriminalität denkt wohl, ihr habt die Weisheit mit Löffeln gefressen, was? Du wirst dich schon noch umsehen, Kleine.“
Der breitschultrige Kommissar ließ Kaya einfach stehen und widmete sich der Inspektion der Leiche. Die junge Polizistin blieb sprachlos zurück. Ihren Alltag beim K11 des Kriminalfachdezernats 1 in München hatte sich die 32-Jährige weiß Gott anders vorgestellt. Nach drei Jahren bei der Organisierten Kriminalität, in denen sie sich hauptsächlich mit Sexual- und Drogendelikten auseinandersetzen musste, war es ihr größter Traum gewesen, in die Königsklasse der Polizeiarbeit aufzusteigen. Das Angebot von Regina Wachtner kam für sie aus heiterem Himmel, aber sie hatte sich wahnsinnig gefreut. Nachdem sie vor drei Wochen dann ihren ersten Tag beim K11 angetreten hatte, stellte sich bald Ernüchterung ein. Bis auf die Leiterin der Abteilung gab es nur eine weitere Kollegin, Sina Miller. Die meisten Mitarbeiter ihres neuen Teams waren alteingesessene Herren, die dem Klischee des typisch bayerischen „Bullen“ entsprachen. Frauenfeindliche wie auch homophobe Sprüche standen hier auf der Tagesordnung, solange die Tür der Chefin geschlossen blieb. Kaya war stolz, als jüngstes weibliches Mitglied beim K11 ermitteln zu dürfen, doch wohl konnte sie sich in dieser Rolle noch nicht fühlen. Die Zusammenarbeit mit dem engstirnigen Macho Steinert machte die Sache nicht gerade besser.
„Willst du da etwa Wurzeln schlagen?“, blaffte Christoph Steinert mit einem überheblichen Lächeln. Die Kommissarin ging kommentarlos zur Leiche, kniete sich hin und betrachtete aufmerksam den bereits erkalteten Körper. Auf den Grashalmen um den leblosen Mann herum funkelte Tau, der metallische Geruch des Blutes übertünchte alles. Die Haut des Opfers war kalkweiß. An seinem Nacken entdeckte sie weitere dunkle Flecken. Ihr erstes Bauchgefühl sagte Kaya, dass der Unbekannte eines qualvollen Todes gestorben war. Sie schätzte ihn auf Mitte Fünfzig. Bis auf einen grau melierten Haarkranz war sein tropfenförmiger Kopf kahl, und die tiefen Furchen auf Stirn und Wangen ließen auf ein aufregendes Leben schließen.
„Er war gut 1,85 Meter groß und hatte eine bullige Statur. Der Täter muss erhebliche Kraft aufgewendet haben, um ihn zu überwältigen“, stellte Kaya fest.
„Die Wunde am Hinterkopf könnte auch auf einen feigen Angriff aus dem Hinterhalt deuten“, korrigierte sie Steinert mit einem süffisanten Lächeln. Kaya stimmte nickend zu.
Ein uniformierter Kollege stieß nahezu lautlos zu ihnen. Er wirkte jung und besaß ein charismatisches Lächeln.
„Wir haben jeden Stein von der Anlegestelle bis zum Schloss Herrenchiemsee umgedreht. Keine Spur von der Kleidung des Opfers. Die Kollegen haben sich aufgeteilt und suchen nun den Rest der Insel nach weiteren Hinweisen ab. Wir waren auch bereits im Chorherrenstift. Leider ohne Erfolg.“
Steinert nickte zufrieden. „Gut so, danke.“
Der junge Polizist machte einen unsicheren Eindruck, verabschiedete sich aber schließlich.
Was für ein Start beim K11, schoss es Kaya durch den Kopf. Sie überließ Steinert die Leiche, legte den Schutzanzug ab und näherte sich Silke Ruland, die sich mittlerweile etwas beruhigt hatte.
„Silke … Es tut mir unendlich leid, dass du das mitansehen musstest.“
Die Touristenführerin sah mit ungläubigem Blick zu ihr auf. „Kaya? Bist du das wirklich?“
Verlegen lächelnd strich sich die Kommissarin eine dunkelblonde Strähne aus dem Gesicht.
„Ist lange her, was?“
„Mhmmm …“ Silke stand auf und ließ sich in die Arme ihrer ehemaligen Freundin fallen.
„Ich habe schon gehört, dass du zur Polizei gegangen bist. Dann bist du also inzwischen Mordermittlerin?“, fragte die Touristenführerin mit zitternder Stimme.
Kaya nickte.
„Ich bin erst vor Kurzem zur Mordkommission gewechselt. Hör zu, wir können uns gerne später weiter über Privates Unterhalten. Zuerst muss ich wissen, was passiert ist. Wie habt ihr das Opf…“, Kaya zögerte einen Moment, „… den Mann gefunden?“
Silke löste sich aus der Umarmung und begann erneut zu wimmern.
„Das ist doch der Robert! Aber mir hört hier ja keiner zu!“
Kaya zog eine Braue nach oben. „Du kanntest ihn?“
Silke senkte den Blick und wischte sich mit dem Handrücken über die feuchtglänzenden Wangen.
„Ja, das ist der Robert Dietrich. Er ist … war einer von den Gärtnern des Schlosses. Schon seit vielen Jahren.“
„Wann hast du Herrn Dietrich gefunden?“, hakte Kaya weiter nach.
„Ich war heute ganz früh für die erste Tour gebucht. Eine Gruppe von neun Personen, die ich zuerst über die Herreninsel zum Schloss und danach durch das Kloster auf der Fraueninsel führen sollte.“
Silke legte eine bedeutsame Pause ein und atmete tief ein.
„Was geschah, nachdem ihr die Insel erreicht habt?“ Kaya schenkte ihr ein ermutigendes Lächeln.
„Wir wollten zuerst zum Augustiner-Chorherrenstift.“ Silke Ruland deutete auf das historische Gebäude im Hintergrund. Das Chorherrenstift prägte das Erscheinungsbild des Chiemsees schon seit vielen Jahrhunderten. Im Vergleich zum weitaus bekannteren Kloster auf der Fraueninsel kannte allerdings kaum ein Tourist die prachtvolle Kirche der Augustiner-Mönche, die sich unweit der Anlegestelle befand. Kayas Augenmerk fiel auf eine Sonnenuhr an der kreideweißen Wand des hohen Glockenturms. Als Kind war sie selbst öfter mit ihren Eltern oder ihrer Schulklasse auf der Insel gewesen und erinnerte sich noch gut an das ehemalige Kloster.
„Dort können sich die Teilnehmer der Tour für gewöhnlich erst einmal auf eigene Faust umsehen. Derweil wollte ich die reservierten Karten für das Schloss bei der Ticketstelle am Hafen abholen. Auf dem Weg hinunter entdeckte ich dann zunächst seine Beine …“ Silke versagte die Stimme.
„Wie viel Uhr war es bei deiner Entdeckung?“, wollte Kaya wissen.
„Die erste Fähre geht um 06:00 Uhr. Man fährt in etwa zehn Minuten bis zur Insel. Ich schätze so gegen 06:15 Uhr habe ich ihn gefunden.“ Silke brach erneut in Tränen aus. Sie war völlig aufgelöst, und Kaya wollte sie zu diesem Zeitpunkt nicht weiter mit Fragen belasten. Immerhin hatte das Opfer nun einen Namen. Die Kommissarin wollte ihrer Freundin aus vergangenen Tagen gerade eine Hand auf die Schulter legen, da tauchte Regina Wachtner in ihrem Sichtfeld auf.
„Benaty! Steinert! Hierher!“ Wachtner musterte die Kommissare streng.
Die Stirn der Kommissariatsleiterin lag in Falten. Die brünette Mittfünfzigerin wurde von den meisten wesentlich jünger geschätzt. Mit ihrem adretten Auftreten, der modischen Kurzhaarfrisur und der sportlichen Figur wirkte Wachtner vital wie eine Frau Mitte Zwanzig. Ihre blaugrauen Augen erschienen durchdringend, aber nicht einschüchternd, obwohl in ihrer Stimme immer eine gewisse Strenge mitschwang.
„Was haben wir? Hinweise zur Identität des Toten? Die Todesumstände?“
Die beiden ungleichen Kommissare berichteten ihrer Chefin in knappen Sätzen von der Sachlage. Kaya verkündete stolz, die Identität des Opfers herausgefunden zu haben, woraufhin Steinert verärgert das Gesicht verzog. Wachtner zuckte nicht einmal mit der Wimper. Als Kaya und Steinert beide verstummten, seufzte Regina Wachtner angestrengt.
„Zumindest wissen wir schon einmal, wer unser unbekannter Nackter ist“, meinte Wachtner mit finsterem Blick.
„Wollen wir uns dann gemeinsam die Botschaft des Mörders ansehen?“
Kayas Augen weiteten sich. Steinert stöhnte überrascht auf.
„Botschaft?“, fragte der ältere Kommissar ungläubig.
Wachtner nickte und stellte nüchtern fest: „An der Rückseite des Chorherrenstifts befindet sich eine blutige Nachricht unseres Mörders.“
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